Stadion Gelanggang Ohla Raga 17 Desember
Kontinentalpunkt Asien? Ja gut, der kommt halt irgendwann bei einem Hopper dran. Länderpunkt Indonesien? Eher nichts besonderes in Anbetracht dessen, dass mit Bali einer der Archipele des Inselstaates eines DER Übersee-Urlaubsziele überhaupt ist. Inselpunkt Lombok? Ab hier wird das ganze dann doch recht exklusiv.
Eckdaten der Begegnung
Stadion Gelanggang Ohla Raga 17 Desember, Mataram
PersLoBar – Mandalika FC
1:0
Do., 19. Okt. 2023 16:00 Uhr
Liga 3 Bank NTB Syarah
Als wir mit dem Motorboot nach Lombok übersetzen, schwant mir noch nicht, dass ich ausgerechnet in den Tagen hier den Länderpunkt einfahren werde, den ich eigentlich vor hatte auf der touristisch wesentlich besser erschlossenen Nachbarinsel bei einem Spiel der nationalen Eliteklasse oder gar der AFC Champions League einzusacken. Einige Tage und einen Motorrollerunfall, der den Aufenthalt auf der anderen Seite der Welt halbwegs abrupt enden lässt, später, nehme ich mit, was irgendwie zu kriegen ist. Und gerade im Nachhinein war das so schlecht nicht.
Baden ist aufgrund der offenen Wunden ausgeschlossen, sonstige Aktivitäten sind auch nicht gerade ratsam. In den bereits eineinhalb Tagen, die mein wesentlich schwerer getroffener Kumpel und ich aufgrund unserer Verletzungen nur in der Unterkunft verbracht haben, reift in mir langsam aber sicher der Gedanke heran, hier müsse doch irgendwo ein Kick aufzuspüren sein. Wohlwissend, dass das ganze Kapitel hier mit der nächsten Untersuchung im Krankenhaus schneller beendet sein kann als mir lieb ist.
Die Internetseiten der Wettanbieter erweisen sich als die geeignetsten Quellen um Begegnung, Anstoßzeit und Spielort zu recherchieren. Verifizieren lasse ich mir das einfach von unserem coolen Hausmeister, mit dem wir eh schon den lieben langen Tag am flachsen sind. Treffer! Die Partie findet statt, heute Nachmittag. Mein Angebot ihn einzuladen, kann er wegen beruflicher Verpflichtungen nicht wahrnehmen. Er klingelt dafür schnell bei seinem Kollegen durch, der mich in einer Stunde abholen und zum Spiel begleiten wird.
Mit dem Pkw geht’s also von den Hügeln im Umland in den Inselhauptort Mataram. Ein typisch indonesisches Moloch von Stadt, viel Lärm, viele Abgase, viel Chaos, immerhin fast eine halbe Million Menschen leben hier.
Und hier steht eben auch das größte Stadion, dass das Eiland Lombok aufbieten kann. Das Stadion Gelanggang Ohla Raga 17 Desember ist eine von nur zwei im höherklassigen Spielbetrieb genutzten Spielstätten und damit geteiltes Zuhause der im Westen der Insel beheimateten Vereine.
Es handelt sich um eine solide Schüssel mit Platz für 15.000-20.000 Zuschauer, die Angaben im Netz hierzu variieren – wie auch die Strenge der angelegten Sicherheitskonzepte, die das in jüngster Vergangenheit von einigen Stadionkatastrophen heimgesuchte Land zwingend nötig hat. Das volle Fassungsvermögen wird laut meinem einheimischen Begleiter aber nur bei den Highlight-Spielen zum Saisonende erreicht, in denen es über mehrere Playoff-Runden um den Aufstieg in die dreigleisige zweithöchste Spielklasse Indonesiens geht. Heute bleibt man weit davon entfernt
Die Haupttribüne, auf der auch wir uns einfinden, füllt sich zum Anpfiff mit knapp 100 Zuschauern. Auf der Gerade gegenüber richtet sich leicht verspätet eine kleine Horde von 15-20 Heimfans mit Banner, Fahne und fast durchgängigem, akustisch bis auf unsere Seite rüber vernehmbarem Support ein.
Der gastgebende Klub PersLoBar ist in der hiesigen Gemeinde verankert und hat eine konstante Anhängerschaft, wie mir mein fachkundiger Local erklärt – während „Pers“ für Gemeinschaft steht, ist „LoBar“ die Abkürzung für Lombok Barat, was nichts anderes bedeutet als „Lombok West“. Anders verhält es sich bei den heutigen Gästen, die sich in privatem Besitz befinden und ohne Unterstützung von den Rängen auskommen müssen.
Das Verpflegungsangebot besteht aus den mobilen Boxen älterer Frauen, die Kaffee, Tee, für den europäischen Gaumen ungenießbar süße Sirup-Limonade, Chips und Süßigkeiten verkaufen sowie zwei Männern, die Kokosdrinks aus Plastikbechern anbieten. Da ich aufgrund meiner bisher gemachten Erfahrungen befürchte beim Genuss des südostasiatischen Kaffees weite Teile des Spiels auf dem stillen Örtchen zubringen zu müssen, greife ich für den schmalen Taler von umgerechnet 50 Cent zum Kokosgetränk mit Geschmacksrichtung Melone. Ich bereue es geschmacklich nicht, bin die Erfahrung eines neuen Stadiongesöffs reicher und kann mir die komplette Partie reinziehen.
Fußballerisch ist das, was die Akteure auf dem steppengrün Spielfeld darbieten, vermutlich am ehesten mit dem Niveau der 6. Spielklassen im Bundesgebiet zu vergleichen. Im Spiel nach vorne wird auf beiden Seiten wenig versucht und es gelingt folglich kaum was, der 1:0-Sieg der etwas engagierteren Heimmannschaft ist verdient. PersLoBar setzt sich mit dem Heimdreier in der Tabelle der Vorrunden-Gruppe oben fest. Euphorie kommt deshalb aber noch lange keine auf. Mein Kompagnon ordnet nüchtern ein, dass ein Aufstieg für die Vereine aus diesen relativ abgelegenen Gebieten des Landes unrealistisch sei und aufgrund der weitaus höheren finanziellen Belastungen eine Klasse höher auch gar nicht anvisiert werde.



