Freundschaftskick

Olympiastadion Berlin

Das wichtigste Stadion Deutschlands und zugleich eines, das wohl selbst Menschen, die mit Fußball nichts am Hut haben, nicht nur ein Begriff ist, sondern auch guten Gewissens den Kategorien sehenswert als auch geschichtsträchtig zuordnen können, laut Futbology-App erst im persönlich 300. Spiel zu betreten, war dem Umstand geschuldet, dass ohnehin abzusehen war, eine Auswärtsreise mit dem eigenen Verein zum Verbuchen des Kreuzchens nutzen zu können.

Stadionatmosphäre

Auf eine ausführliche Beschreibung der Spielstätte wird an dieser Stelle aus Gründen der Redundanz verzichtet. Auch und gerade die direkte Umgebung mit Maifeld, Glockenturm und Einlasstor mit Olympischen Ringen machen dem Besucher bewusst, welche – auch dunkle – historische Tiefe dieser Ort vorzuweisen hat.

Um eine der bekanntermaßen längsten währenden Fanfreundschaften gebührend zu würdigen, wurde dem KSC – wie auch schon beim letzten Aufeinandertreffen in Berlin eineinhalb Jahre zuvor – im Vorfeld der Begegnung nicht der üblicherweise dem Gästeanhang vorbehaltene Bereich links des Marathontors (aus Blickrichtung Ostkurve) zugewiesen, sondern der rechts davon gelegene. Hintergrund dessen war, die Choreographie, die sich nachher über den Unterrang weiter Teile des Stadion erstrecken sollte, in dieser Form erst zu ermöglichen ohne eine unschöne Lücke entstehen zu lassen. Und so prangte zum Anpfiff des Spiels sowie rund um die 76. Spielminute – anlässlich des „Begründungsjahres“ der Freundschaft –, der Schriftzug „HERTHA UND DER KSC“ einträchtig in weiß auf blau im weiten Stadion-Oval.

Platzwahl und Kartenbeschaffung

Auch wegen des besonderen Anlasses hatte ich über einen befreundeten Herthaner Karten für den Oberrang der Nordtribüne besorgen lassen um dieses einzigartige Stadion nicht – wie bei Spielen des eigenen Vereins ansonsten üblich aus der durch Fahnen und Co. stark sichteingeschränkten Position – zu erleben. Dass die Gastgeber die Karten passenderweise zum 2-für-1-Freundschaftspreis auf den Markt warfen, wurde selbstredend gerne mitgenommen.

Verpflegung- und Versorgung

Eine zumindest für meine bisherigen in der 2. Liga gemachten Erfahrungen Besonderheit war die Tatsache, dass der Besucher des Olympiastadions zwischen den Bieren dreier verschiedener Hersteller – allesamt Tochterfirmen der Anheuser-Busch-Gruppe – wählen darf: Von Becks das klassische Stadionpils, das Helle von Spaten für den, der es eher bayrisch-süffig mag sowie Corona für die Exoten und den Nachwuchs. Meiner ganz subjektiven Sicht nach wäre eine Auswahl aus dem Hause Schultheiss oder einer anderen lokalen Brauerei angemessener und lieber gewesen, aber die Zeiten ändern sich nun mal.
Die obligatorische, schmackhafte Berliner Boulette gab’s bereits auf der „Meile“ zwischen S-Bahnhof und Stadion für stolze 6,- EUR.
Verheerend unterdessen die Toilettensituation – aufgrund dessen, dass wegen des massiven Andrangs mehr als 15 min Wartezeit entstanden und die Halbzeitpause somit nicht ausreichte, wurde der Treffer zum zwischenzeitliche 2:0 verpasst.

Auf’m Platz

Die Partie selbst lieferte wenig, um die Zuschauer zu fesseln. Ein über weite Strecken der ersten und auch zu Beginn der zweiten Halbzeit fahriger, ja schläfriger KSC ließ der Hertha, angeführt von Sturmführer Fabian Reese, lange Zeit leichtes Spiel. Erst als beim Stand von 2:0 dann jedoch ein unnötiger, aber korrekter Elfmeter für die Gäste gegeben und von Spielführer Marvin Wanitzek (Fussballgott!) auch verwandelt wurde, keimte auf Karlsruher Seite doch noch mal die Hoffnung auf, dass hier noch was zu holen sein könnte. Bei den Hauptstädtern machte sich vereinzelt schon wieder Panik breit die desaströse Heimbilanz – Hertha ist Schlusslicht der Heimtabelle, spielt aber nichtsdestotrotz vor dem besten Zuschauerschnitt seit Ewigkeiten – könnte um ein weiteres Kapitel fortgeführt werden. Da das rund 25-minütige Aufbäumen des KSC außer einer kläglich vergebenen Großchance aber nichts mit sich bringen sollte, konnte die Alte Dame in der Nachspielzeit per Gegenstoß den so wichtigen Heimdreier versiegeln. In einem insgesamt dem freundschaftlichen Rahmen entsprechend wenig intensiv geführten Spiel, fungierte der mittlerweile im Niemandsland der Tabelle angekommene KSC somit als der erhoffte Aufbaugegner für die Hertha.

An- und Abreise

Da der Zock im Dezember aufging, den Samstag-Morgen-ICE trotz Unkenntnis der genauen Ansetzung – die DFL treibt ja viel Unsinn, aber diese stets für erstklassig vermarktbare Bilder sowie beispielhaftes, geselliges Miteinander sorgende Paarung auf Freitagabend zu legen, ja das trauten wir den Herrschaften dann doch nicht zu – zum Super-Sparpreis zu buchen und dieser uns dann auch pünktlich 1:45 Std. vor Anpfiff in Berlin-Spandau ablieferte, war die Stimmung schon vor Spielbeginn prächtig.

Kombiniert mit!?

Die Rückfahrt ins Badische erfolgte planmäßig am späten Sonntag Abend – unser ICE war keine der Handvoll gestrichenen Verbindungen – und so blieb am Folgetag noch Zeit, einen mehr als passablen und einen Sollte-man-allein-wegen-seiner-Historie-definitiv-irgendwann-mal-machen-Ground des gehobenen Berliner Amateurfußballs im persönlichen Terminkalender unterzubringen.
Zunächst trotze zur Mittagszeit der im Abstiegskampf der Berlin-Liga steckende Spandauer SC Teutonia bei mittelstarken Regenschauern auf dem tiefen, heimischen Geläuf im Sportstadion Hakenfelde Empor Berlin in einer kampfbetonten Begegnung ein 0:0 ab. Anschließend folgte nach knapp einstündiger Fahrt mit Bus und Bahn nach Berlin-Mitte um 14 Uhr ein 1:1 zwischen den beiden Oberligisten Berliner AK und dem einstigen Bundesligisten Tasmania Berlin. Sportlich blieben beide Partien einiges schuldig und ohne große Höhepunkte. Die Tatsache, dass nach dem zweiten Spiel auf dem Nebenplatz Icke Häßler in seiner Funktion als Trainer des Bezirksligisten FC Spandau gesichtet werden konnte, hob die Stimmung dann aber merklich.