Der Radius des Deutschlandtickets

Hauptkampfbahn im Volkspark, Bamberg

Da irgendein Schlingel die Idee hatte das Nachholspiel der Regionalliga Bayern zwischen dem FC Eintracht Bamberg und dem SV Wacker Burghausen auf Dienstag 17:00 Uhr zu legen, schrillten bei mir die Alarmglocken.
Wo sich dem Vereinsfan die Nackenhaare aufstellen, kommen dem Hopper die Freudentränen!
Das Spiel war selbst mit der ursprünglichen Anstoßzeit 18:15 Uhr schon auf dem erweiterten Radar, doch bei einem derart frühen Spielende ist sogar ein Zugausfall eingepreist, da ich heimzus nicht mal auf die letzte Verbindung angewiesen sein würde. Alles mit D-Ticket, versteht sich, das Ding muss ja richtig ausgefahren werden.

Marathon-Anreise, etwas mehr als zweieinhalb Std. mit D-Ticket. Und auch wenn ich mir angesichts dieser nachhaltigen Art des Hoppens selbst auf die Schulter klopfe, ganz grün ist die Nummer zwar nicht (die ersten 35 km seh ich mich gezwungen das Auto zu nehmen um a) die Fahrzeit im Rahmen zu halten und b) meine Rückkehr am Abend überhaupt erst zu ermöglichen.
Die erste Teilstrecke über habe ich lediglich ’nen Stehplatz zur Verfügung. Seit der Betreiber Arverio den Zuschlag für einige Trassen in Württemberg und Bayern erhalten hat, fühlt man sich bei den dort durchgeführten Fahrten mitunter an Viehtransporte erinnert. Das mag drastisch klingen. Wenn aber die Kapazitäten dermaßen zusammengestrichen und die zu wenigen, verbliebenen Waggons mit Sitzplätzen ausgestattet sind, die allenfalls für Personen unter 1,75 m einen gewissen Komfort bieten, ist das schon eine traurige Entwicklung. Ab Würzburg geht’s dann jedoch sehr angenehm im RE der DB Regio nach Nürnberg bis Bamberg. Fairplay Deutsche Bahn!

In Bamberg angekommen folgt ein knapp einstündiger Stadtbummel, versüßt mit feinstem Kaffeegenuss in einem der offenbar besten Häusern der Stadt. Leider muss man inzwischen auch in einer wahren Bastion guter heimischer Gastronomie wie Bamberg gezielt nach fränkischer Küche suchen, während einen das Angebot an Dönerläden förmlich erdrückt. Die Jugend sucht diese aber unbeirrt in großer Zahl auf. Beim Gedanken daran und wie die Restaurantlandschaft in zwanzig bis dreißig Jahren aussehen dürfte, werde ich nachdenklich.-

Zur Nachmittagszeit gibt’s daraufhin erst mal ein Rauchbier, geschickterweise konnte ich nämlich eine gutbürgerliche Schankstube ausfindig machen, die in unmittelbarer Nähe zum ZOB liegt. Von dort geht’s dann rund 40 min vor Spielbeginn an den Ort des Geschehens. Aber Achtung! Die Busse fahren auch in den auf den ersten Blick nicht zum Busbahnhof-Areal gehörenden Seitenstraßen ab, so auch die Linie 970 ans Stadion.

Dort angekommen erwartet mich leider die – mich nicht ganz unvorbereitet treffende – Enttäuschung, dass die Stehplatzränge des weiten Runds nicht freigegeben sind. Während die Hintertorbereiche schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb waren (und dementsprechend im Begriff sind von der Natur zurückerobert zu werden), bestätigen mir die lokalen Fans, dass die Gegengerade wenigstens bei Spielen mit Derbycharakter bzw. generell hohem Gästeaufkommen geöffnet wird.
Die Domreiter-Fans selbst müssten jedoch stets mit den (un)liebsamen Sitzplätzen auf der Haupttribüne ihrer Kampfbahn Vorlieb nehmen.
Ganz links auf dieser heute als einziger zugänglichen Tribüne versammelt sich ein – speziell für diese Anstoßzeit – sehr stattlicher schwarz-weißer Haufen und macht auch über weite Phasen der Partie gesanglich auf sich aufmerksam. 3:30 Std. einfache Fahrzeit ist ein Brett für Regionalligaverhältnisse, wenn auch kein Rekord, Hessen Kassel und der FC 08 Villingen können ein Lied davon singen.

Die sportliche Ausgangslage vor dieser Begegnung könnte eindeutiger nicht sein.
Die Bamberger belegen auf dem letzten Tabellenplatz und dieses Nachholspiel ist so etwas wie der letzte Strohhalm, an dem man sich klammert. Trotz einer ernüchternden Sieglosserie ist das rettende Ufer ist weiterhin nur einen Punkt entfernt (einer der beiden Relegationsplätze). Die Franken sind sich einig, dass man heute unbedingt gewinnen muss, wenn man überhaupt noch irgendwie anfangen will zu rechnen.
Wie das zustande kommen soll, diese Antwort bleibt die Bamberger Mannschaft über die gesamte Spieldauer schuldig. Es ist ein Klassenunterschied, die Niederbayern gehen schon nach 15 Spielminuten in Führung, erhöhen bis Pausenpfiff auf 3:0 und vergeben insbesondere in der zweiten Spielhälfte unzählige weitere Großchancen. Die einzige gute, ja sehr gute Einschussgelegenheit auf Bamberger wird bei Stand von 0:4 auf eine derart sinnbildliche Weise vergeben (nach ruhigem Querpass unbedrängt aus 5 Metern über über das Tor), dass selbst in dieser bis auf den Abschluss guten Aktion am Ende stehen bleibt, dass das so einfach hinten und vorne nicht reichen kann und man als Zuschauer fast peinlich berührt ist. Die Burghäuser machen mit diesem Sieg einen großen Schritt zum Klassenverbleib, der so richtig gar nicht mehr in Gefahr ist.



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