Oberliga „the Länd“

Jahnstadion im Schwerzer, Schwäbisch Gmünd

Schon einen Monat im Voraus legt sich der gewiefte Hopper die Karten, schließlich ist zu ermitteln, ob der Erwerb des inzwischen 58,- EUR schweren Deutschland-Tickets denn lohnt. Ein, nein zwei, ja vielleicht sogar drei mittelmäßig attraktive Eisenbahn-Ziele müssen es dann schon sein, dass die Entscheidung positiv ausfällt. Und so war nun mal wieder im September 2025.

Wenn da die Oberliga Baden-Württemberg eine englische Woche gleich zu Monatsbeginn ansetzt, dann ist das schon mal gefundenes Fressen. Anstoß mangels Flutlicht teils schon um 18:00 Uhr – weltklasse! Da sollte man ja sogar ohne mittelgroßes Bibbern noch heimkommen nach der Nummer. Jetzt wird noch geschaut, welche Paarung ganz verlockend klingt, vor allem aber im Kopf durchgerechnet, welcher Ground gerade noch so, aber eben doch noch vernünftig erreichbar ist – die All-Inclusive-Fahrt soll sich ja schließlich rentieren. Und wie könnte es passender sein, dass ein vorrangig nach solchen Auswahlkriterien herausgesuchter Trip weit ins Schwäbische führt und damit dorthin, wo der Geiz, nein, das Talent zum Sparen, zuhause ist.

Und die DB bzw. der Trassenbewirtschafter Arverio liefern ab. Mit einer letzten Endes um zehn Minuten verspäteten Ankunft kann ich bei rund 1:30 Std. Fahrt gut leben, schließlich ging’s immerhin zur Feierabendstoßzeit in Deutschlands berüchtigtsten Großstadtbahnknoten – und wieder rückwärts aus ihm raus, wie das bei Kopfbahnhöfen eben so ist. Mein Puffer ist damit aufgezehrt, aber gut, is‘ ja eingepreist! Im Stechschritt zum Stadion, dessen Eintrittskartenhäuschen ich um 17:58 innerlich triumphierend passiere. Just in dem Moment betreten die Mannschaften den Rasen – eine Punktlandung.

Definitiv ein richtig guter „+1 Hopp“ zum „Pflichtprogramm“ am Wochenende, mehr geht unter der Woche und ohne Urlaub kaum.

Einziger Wehrmutstropfen bei solchen, mit der heißen Nadel eingefahrenen Grounds ist leider, dass in aller Regel keine Zeit zur Besichtigung der Umgebung bleibt. Das am Tor zur Ostalb gelegene Schwäbisch Gmünd hätte es mit seinem schmucken Stadtkern verdient gehabt – und seine Gastro-Szene sicherlich auch. Aber sei’s drum, kann ja alles noch werden.

Für faire 8,- Euro gibt’s den Steher bei der Normannia, die allgemein durch eine humane Preispolitik auffällt: 3,50 für eine Bratwurst, die sich sehen und ich mir schmecken lassen kann und 3,- für das bestens mundende Kola-Getränk des regionalen Herstellers. Wem die typische Stadionverpflegung nicht ausreicht, der kann sich in der urig eingerichteten Klubhausgaststätte unterhalb der Haupttribüne auch mit Schnitzel, Leberkäs, Lachs, Pommes frites sowie Kuchen verwöhnen lassen.

Die Heimstätte der Gmünder hieß einst Jahnstadion und heute WWG Sportpark. Sie besteht auf der Haupttribünenseite aus eben dieser, dem Klubhaus mit Duschen und Kabinen, einer Wurstgrillhütte und einem Dauerprovisoriumszeltbau, in dem die Flüssigverpflegung verkauft wird. Gegenüber befinden sich ein paar Stufen und seit einigen Jahren auch ein überdachter Bereich in der Mitte, der bei meiner Visite noch ganz im Zeichen des Aalener Besuchs vom vergangenen Wochenende stand.

Der Mannheimer Anhang, weitgehend aus Herren gesetzteren Alters bestehend, hatte sich die Einkehr in den guten Stuben nicht nehmen lassen. Und zwar vor dem Spiel, versteht sich. Was das Rentnerdasein nicht alles so möglich macht. Und auch jetzt machen sie auf sich aufmerksam, die koordinierten „Vau-Vau-VfR“-Schlachtrufe hallen über den Platz und auf diese Weise wohl schon seit Jahrzehnten aus ihren Kehlen.

Und sie kommen an. Die Gäste spielen druckvoll nach vorne, überrollen die schlecht in die Saison gestarteten Normannen regelrecht, verpassen es jedoch, das Ergebnis der Vielzahl an Chancen entsprechend zu gestalten. So geht es beim Stand von 0:1 in die Kabinen. Wieder ist es der VfR, der wacher und zielstrebiger raus kommt, wieder wird daraus jedoch kein Profit geschlagen. Ausgerechnet eine Hinausstellung für den eigenen Innenverteidiger wegen Notbremse küsst dann die Normannia wach. Der Sturmlauf bringt den Gmündern in der 81. den Ausgleich und in der Nachspielzeit beinahe die Führung. Das letzte Wort hat dann allerdings doch der VfR, der im Stile einer Spitzenmannschaft hier gerade nochmal rechtzeitig hochfährt und den Dreier mitnimmt. Als zu viele Normannen nach einem im vollversammelten Sechzehner angesetzten Fallrückzieher eifrig auf gefährliches Spiel reklamieren, nutzt im Rückraum Abwehrspieler Kuhn die Gunst des Augenblicks und verwandelt von der Strafraumkante aus trocken ins rechte Toreck. 90.+7. Spielminute – Jubeltraube vor der Gästebank.