Niedersachsenstadion, Hannover
Ist das noch Auswärtsfahren oder schon Hoppen?
Eckdaten der Begegnung
Niedersachsenstadion, Hannover-Mitte (Calenberger Neustadt)
Hannoverscher SV 96 – Karlsruher SC Mühlburg-Phönix
3:0
Fr., 28. Nov. 2025 18:30 Uhr
14. Spieltag, 2. Bundesliga
38.200 Zuschauer
19,- EUR Stehplatz Gast
Der Termin am Freitagabend und die vergleichsweise weite Wegstrecke sorgen dafür, dass ich dieses Auswärtsspiel alleine in Angriff nehme.
Um das beste aus dieser Situation zu machen, absolviere ich die erste Teilstrecke der Anreise schon am Vortag. Im Hessischen komme ich beim besten Freund unter, den größten Teil des Abends verbringen wir auf dem Weihnachtsmarkt am Frankfurter Römer. Am Spieltag selbst geht’s dann entspannt morgens um halb neun dort aus dem Haus und weiter Richtung Hannover. Wer wie ich mittels D-Ticket dorthin fährt, den führen die drei REs dorthin über Kassel und Göttingen.
Leider spielt das Wetter der erhofften Landschaftsspazierfahrt an diesem flächendeckend trüben Spätherbsttag nicht in die Karten. Immerhin der Regionalverkehr aber performt heute und spuckt mich um halb drei am Hauptbahnhof der niedersächsischen Landeshauptstadt aus. Mir bleiben damit noch ein paar Stunden, um die heutige Gastgeberstadt auch touristisch-gastronomisch zu erkunden.
Nach einem Bummel durch die wirklich schöne Altstadt wird sich bei einem Heißgetränk aufgewärmt, ehe es in eine der letzten Traditionsgaststätten der Hannoverschen Innenstadt geht um dort einen echtes Original der lokal-regionalen Küche auszuprobieren: den Calenberger Pfannenschlag.
Als jemand, der was das liebe Essen betrifft ohnehin entdeckungs- und „risiko“-freudig ist, ist sowas natürlich genau mein Ding – eine zumindest visuelle Kostprobe dieses Klassikers findet sich in den Bildern am Ende des Beitrags.
Die Gastwirtschaft ist jedoch nicht nur bestens geeignet in die hiesige Kulinarik einzutauchen, sondern auch um Kontakt zu finden und sich in die ersten Fussballgespräche einzuklinken. Am Tresen eingefunden bildet sich kurzerhand eine freundliche und überaus gut informierte Runde aus zwei 96ern, einem Exil-Arminen sowie mir.
Nach einigem Geflachse und jetzt vollends in Fussballstimmung mache ich mich mit den beiden Hannoveranern sowie zwei Pils mehr als geplant auf den Fußmarsch Richtung Maschpark.
Der Weg – leider inzwischen bei völliger Dunkelheit – führt nochmal durchs Zentrum sowie über die Leine und bestätigt den Eindruck, dass es sich beim Niedersachsenstadion definitiv um eines der bestgelegenen(, großen) Stadien Deutschlands handelt. Zum einen die Lage an sich, zum anderen die zahlreichen Möglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung, und sei es nur für ein Bierchen, einzukehren – das ist etwas, was man spätestens im Jahre 2025 enorm zu schätzen weiß.
Die Hannoveraner Ultra-Szene führt in Form unmissverständlicher Bannerbotschaften die Fehde mit der – so könnte man meinen – Intimfeindin niedersächsischer Fankultur Daniela Behrens fort und wirft ihr Populismus vor. Außerdem nimmt man darüber hinaus Stellung zum derzeit bundesweiten Gesprächsthema Nr. 1 in den Stadien, der in der Folgewoche bevorstehenden und schon jetzt zum Unwort verkommenen Innenministerkonferenz, auf der u. a. drastische Verschärfungen in Bezug auf Stadionverbotsverfahren diskutiert werden sollen um dadurch die Sicherheitslage in deutschen Stadien zu verbessern. Die heute vorgetragene Choreographie unter dem Motto „Unsere Art zu leben“ bebildert zunächst skizzenhaft die heimische Ultrakultur um anschließend in einem grün-weißen Pyro-Bild zu gipfeln. Währenddessen werden als Protagonisten ein Ultra mitsamt Nachwuchs-Fan im roten Trikot, deren Rückenaufschrift zusammen passenderweise „Ultras Hannover“ ergeben, vom Unterrang aus hochgezogen. Insgesamt ist das eine optisch stimmige Einläutung des Spiels des Tages sowie gleichzeitig eine eindeutige Positionierung.
Was am Stadienbesuch ebenfalls gefällt, ist, dass man im Niedersachsenstadion noch klassisch von hinten und quasi über den Wall in den Block geht anstelle aus einem hallenartigen Innenbereich oder über ein Mundloch dorthin zu gelangen.
Größere Ausführungen zum sportlichen Teil spare ich mir heute. Obwohl 96 heute im Grunde wenig will und lange Zeit weder kreativ noch druckvoll auftritt, fährt es letztendlich einen vollkommen ungefährdeten Heimsieg ein.
Spätestens jetzt mein Verein eine handfeste Krise am Hals und so ist es nur folgerichtig, dass auf dem rund halbstündigen Rückweg zum Hauptbahnhof die Frage „Quo Vadis, KSC?“ so leidenschaftlich und ergebnisoffen wie lange nicht mehr diskutiert wird. Ein Glück ist die Stimmung im ICE später wieder besser.
Hier Einkehren!
Da ich mit der Auswahl der beiden Lokale dieses Mal sowohl in Bezug auf Ambiente, Service als auch Qualität überaus zufrieden bin und beide eine Erwähnung, ja eine Empfehlung wert sind, gibt’s hier die beiden Anlaufstellen:
- Café DonnerLittjen, Knochenhauerstr. 16, 30159 Hannover
- Max Walloschke, Lange Laube 2, 30159 Hannover



