Portugals Panorama-Perle

Estádio do Restelo, Lisboa-Belém

Belém ist weltweit bekannt für seinen Wehrturm zu Wasser und die im hiesigen Hieronymiten-Kloster erstmals hergestellten Original-„Pastéis de Belém“. Um diesen Touristenhit zu probieren müsste man allerdings gehörig Geduld aufbringen, reicht die Schlange vor der Verkaufsstelle doch weit die Straße runter. Dass die Originalrezeptur den in wirklich jeder Pastelaria erhältlichen und bis zum Nationalsymbol aufgestiegenen Verkaufsschlager so sehr übertreffen soll, ja, das bezweifle ich dann doch.
Darüber hinaus ist Belém das portugiesische Wort für Betlehem. Und in der Tat wird mir bei Os Belenenses – ja, dem Original – auf Anhieb eine Gastfreundschaft zuteil, die dem Namen würdig ist, denn…

Das in den 1950ern errichtete Estádio do Restelo verfügt über drei im Stile eines olympischen Ovals durchgängig geschlossene Seiten und „öffnet“ sich zum Tejo hin, wo der Oberrang und das Dach fehlt. Es wäre auch eine Schande seinesgleichen, würde dem Besucher dieser Ausblick über die Dächer der Stadt und das Wasser bis aufs Südufer genommen, wo sich die mächtige Statue „Cristo Rei“ aufbaut.

Os Belenenses hat im Restelo schon einige große Schlachten geschlagen und empfing hier 2007 auch die Bayern um Olli Kahn und Luca Toni. Die vier Meisterschaften, die der Klub im Verlauf seiner Geschichte erringen konnte, fallen jedoch allesamt in die Prä-Restelo-Ära, als man noch im Campo das Salésias beheimatet war. Os Belenenses ist damit bis heute der einzige Verein, der neben den großen Drei überhaupt mehr als einmal den nationalen Titel gewinnen konnte.

In der jüngeren Vergangenheit erlebt der Klub seine schwerste Zeit. Bereits in den 2000ern entwickelte man sich mehr und mehr zum Dauerabstiegskandidaten. Den beiden Europapokalqualifikationen stehen genauso viele sportliche Abstiege entgegen, denen man aufgrund dessen, dass andere Vereine keine Lizenz erhielten, jedoch entrinnen konnte. 2010 ging es dann wirklich runter und auch nach der Erstligarückkehr spielte man mit Ausnahme der einmaligen Rückkehr nach Europa 2015/16 eher unten als oben mit. Das wechselhafte Jahrzehnt endete schließlich mit der Abspaltung der Fussballabteilung aus dem Gesamtverein.

Fortan trat das daraus neu entstandene Belenenses SAD weiterhin in der Liga Portugal an, während Os Belenenses in die Sechstklassigkeit zurückgespült wurde. Ein besonders in Portugal aus der Reihe tanzender Akt, zählen die portugiesischen Top-Klubs doch gerade deshalb zu den mitgliederstärksten der Welt, weil sich unter ihrem Dach eine ganze Großgemeinde in den zahlreichen Sparten und Abteilungen organisiert. Der recht exklusiv eingeschlagene Weg stand also wenn man so will von vornherein unter keinem guten Stern und so währte die Herrlichkeit für Belenenses SAD nicht lange. Mit dem Abstieg aus der Primeira Liga kam dem Verein die sportliche Bedeutung abhanden. Damit ging dem bis dahin auch was die Stadionfrage heimatlos gebliebenen Gebilde das einzige verloren, was die innerlich leere Hülle in seiner kurzen Existenz ausgezeichnet hatte.

Das echte Os Belenenses kämpft sich – wie ich bereits 2022 freudig feststellen durfte – mit dem Rückhalt der Bevölkerung langsam aber sicher zurück nach oben. Sicher sein könne man sich dabei nicht nur der Sympathien der eingefleischten Einwohner Beléms, sondern auch der eines Großteils des Sporting- und Benfica-Lagers. Wie ich im netten Gespräch mit den Nebensitzern erfahre, pflegten diese nicht erst seit Belenenses‘ Absturz ein entspanntes bis freundschaftliches Verhältnis mit den Blau-Weißen. Nachdem man zwischenzeitlich schon wieder in der 2. Liga angekommen war, spielt man derzeit, Stand Anfang 2026, erneut in der gestaffelten dritten Spielklasse.

Ich jedenfalls werde den Weg back to Glory auch weiterhin wohlwollend verfolgen – und in meinen dann Retro-Artikeln mal ein großes Stadtduell vor dieser einzigarten Kulisse erleben zu dürfen, das wär eine feine Sache!



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