Bonjour mon ami/e, herzlich willkommen …
… auf meiner Website, auf die du dich offensichtlich verirrt hast.
Im Grunde ist sie nur Ausdruck dessen, dass ich mir eine möglichst frei gestaltbare Plattform gewünscht habe, um textlich meine Gedanken, das Erlebte und vielleicht auch die paar brauchbaren Bilder, die dabei entstanden sind und das ganze abrunden, anständig zu verarbeiten. Daher erlaube ich mir mitunter auch eine persönliche Note, mit der gewiss nicht jeder d’accord sein muss und soll. Denn das ist ohnehin keineswegs mein Ansinnen, weichgespült und glattgebügelt ist langweilig und kann weg!
Wie lange schon, der Quatsch?
Wie die meisten Hopper-Laufbahnen beginnt auch meine im Prinzip schleichend. Die ersten Stadien und Plätze mache ich ohne den inzwischen ungesund allgegenwärtigen Grundgedanken, die Abstände zwischen den Spielen sind mit Frühjahr 2023 so kurz, dass mir ab da das Prädikat unweigerlich anhaftet. Eins kommt zum anderen, die ersten Kontakte, die Apps aufm Handy, man kommt auf den Geschmack und weitere Entfernungen stören immer weniger, und zack, man ist drin im Kosmos.
Klar, die Faszination war schon vorher da. Nur, sie schlummerte tief in mir drinnen und fristete ein Schattendasein. Soziale Verpflichtungen und Zwänge, die lange Zeit für selbstverständlich erachtet wurden, mussten erst abgestreift bzw. gelockert werden, um den Freiraum zu schaffen, ihr nachzugehen.
Und so kommt seither auf der Stecknadelkarte eine Stadionpunkt nach dem anderen hinzu. Und da eben diese Karte auf einer Groundhopping-Website irgendwo obligatorisch ist, voilà, here you go:
Anmerkung: Einen Anlass dazu, die mit dem Herzensverein besuchten Spiele bzw. Stadien in die persönliche Statistik nicht mit einfließen zu lassen, sehe ich nicht. Speziell dann nicht, wenn diese Spiele in einzelnen Fällen nicht einmal aus dem Gästeblock heraus verfolgt worden sind. Und Gästeblock-Spiele explizit rauszurechnen ist dann auch bescheuert. Also folgen wir dem inklusiven Zeitgeist und packen alles mit rein – Ich bin eben beides, Vereinsanhänger und Hopper, das spiegelt sich folglich in meiner Groundkarte wider.
Das schätze ich am Hoppen
Touren mit Freunden, Familienmitgliedern oder in Kleingruppen – ganz gleich ob selbst Hopper oder nicht – sind großartig und jede einzelne davon liefert Gesprächs- und Erinnerungsstoff, schafft Verbindendes und Bleibendes für die Zukunft. Reisen und Kurztrips garniert mit dem besonderen Sahnehäubchen eben!
Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass die aus rein fußballkultureller Sicht prägendsten Erlebnisse diejenigen sind, die man auf den ganz alleine angetretenen Touren macht. Nicht umsonst ist der Anteil der Solo-Spielbesuche, die das Material für einen Blogbeitrag mitbringen, unverhältnismäßig hoch. Die niedrigere Hemmschwelle und das Verlangen aus der eigenen Blase auszubrechen, dass da einfach ein ganz anderes ist. Mit dieser Bereitschaft lässt sich tiefer eintauchen, leichter andocken, Hintergründe erfahren und Begegnungen erleben, die es sonst nicht gegeben hätte. Übrigens gelingt mir das im Ausland viel besser als im deutschsprachigen Raum.
Eine ganz eigenes Ding ist außerdem, dass ich ziemlich darin aufgehe, die Routen zu planen und dabei die möglichen Weg-, nein, Stadienpunkte möglichst optimal darin einzubinden. Je komplexer, das heißt je mehr und je außergewöhnlichere Transportmittel mit eingebunden sind, desto besser ist das ganze. Das Glücksgefühl, das eine weitgehend perfekt konzipierte Tour liefert, ist toll. Besser wird’s nur noch, wenn’s dann nachher auch genau so über die Bühne geht.
Bevorzugtes Transportmittel
Dass das Auto des ambitionierten Hoppers bester Freund ist, steht außer Frage. Und Flüge für den üblichen Ohne-Gepäck-Kampfpreis machen den ganzen Wahnsinn in einem international angelegten Maßstab eh erst möglich. Natürlich greife ich auf beides regelmäßig zurück.
Dennoch möchte ich eine Lanze für die öffentlichen Verkehrsmittel brechen. Auf der „letzten Meile“ zum Stadion ohnehin schon immer die bevorzugte Wahl, ist das Deutschlandticket ein Game-Changer, das ich mir nicht dauerhaft, aber von Zeit zu Zeit gönne, um dieses Hobby auf eine andere, (okay, nicht immer ^^) entspannende und kostengünstige Art zu betreiben. Der Anreiz, die Fahrkarte dann auch richtig auszufahren, gibt öfter mal den entscheidenden Schub das Ding auch in die Tat umzusetzen. Gilt natürlich insbesondere für die Solo-Touren.
Mein perfektes Stadion
Meinem persönlichen Empfinden nach liegt die optimale Kapazität zwischen 12.000 und 40.000, je nach Bauart und Auslastungschance.
Die ganz großen Dinger holen mich nicht ab, da ist mir das Drumherum zu viel, das Gefühl wirklich so richtig dabei zu sein geht verloren, es wird schnell unpersönlich und anonym. Und höchstwahrscheinlich zählt der hier heimische Klub zur Beletage des Sports, zu der mir der Bezug abhanden gekommen ist.
Kleiner, sprich vierstellig ist dann auch nicht perfekt, da mit dem Fassungsvermögen freilich auch eine gewisse Bedeutsamkeit einhergeht und dem Erlebnis mehr Würze liefert.
Optisch stehe ich eher auf kantige Stadien. Vier geschlossene und gar abgerundete Ecken – eben das, was sich Arena nennt – gefallen mir ganz und gar nicht.
Brutalistische Betonschüsseln und olympische Ovale haben zweifellos ihren Flair, sind eine totale Bereicherung zu den reinen Fußballstadien und mir wesentlich lieber als moderne Arenen. Dass diese Bauweise es erschwert, dasselbe atmosphärische Erlebnis zu schaffen, gehört aber eben auch zur Wahrheit.
Ein zentrales, ästhetisches Element stellt für mich die Asymmetrie dar. Ein Stadion mit vier unterschiedlichen Tribünen ist reizvoll und sagt mir prinzipiell zu. Es sollte ihm aber schon auch anzusehen sein, dass das ganze jetzt so in der Form auch irgendwie halbwegs gewollt ist. Daher Daumen hoch für das Saint-Symphorien in Metz, eher Daumen runter für den Ronhof von Greuther Fürth.
Dazu sollte das Stadion natürlich mindestens ein charakteristisches Merkmal aufweisen, das es einzigartig macht. Nicht jeder kann einen Torre de los Homenajes wie das Centanario in Montevideo haben oder schon seit hundert Jahren stehen und noch immer (von außen) futuristisch erscheinen wie das San Siro. Es genügt auch ein Eingangsportal wie beim Stadion am Zoo in Wuppertal, oder eine exponierte, und doch stadtnahe, Lage wie auf dem Kaiserslauterer Betzenberg. Bitter wird es, wenn man dieses Element hatte und es beim Neubau bzw. Nachfolgerstadion nahezu nichts mehr gibt, das dieses noch liebenswert macht. Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte, hat eindrucksvoll West Ham United geliefert. Und aus ganz eigener Perspektive schmerzt es mich sehr, wenn ich mich vor Augen führe, wie unwiederbringlich die extravagante Dachkonstruktion der Haupttribüne im alten Karlsruher Wildparkstadion für immer verloren ist.
Schlussendlich sei aber angemerkt, dass sich die Ästhetik eines Stadions nicht einfach per Schablone beurteilen lässt und es viele andere Einflüsse geben kann, die sich auf seine Erscheinung auswirken, nicht zuletzt die Tageszeit, seine Besucher oder gar das Spiel selbst. Diese Erkenntnis ist umso beruhigender, als dass sie uns doch bedeutet, dass auch ein bereits gekreuzter Ground jederzeit eine erneute Visite wert sein kann.